2. Wald-Wild-Forum 2014

WWFAGIm Namen aller Partner der Wald-Wild-AG auf Bundesebene begrüßte Hans von der Goltz, Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) als Initiator der Tagung, die etwa 250 Teilnehmer des 2. Wald-Wild-Forums am 14.10.2014 in Göttingen.Naturnahe und stabile Mischwälder sind für die Witterungsextreme des Klimawandels wie z.B. Sturm oder Trockenperioden bestens gewappnet. v.d.G.: „ Wir müssen möglichst viele vom Menschen beeinflussbare destabilisierende Faktoren ausschließen. Ein besonders wichtiger destabilisierender Faktor sind überhöhte Schalenwildbestände, da diese die Entwicklung der angestrebten Mischwälder durch selektiven Verbiss und Vitalitätsverlust durch Schälen erschweren, oft unmöglich machen.“Für diesen Missstand gibt es im Wesentlichen zwei Verantwortliche:

  • Den Waldbesitzer, der seine waldbaulichen Ziele nicht benennt, nach den höchsten Jagdpachteinahmen strebt und über der Einnahme des Baren die Schadensbilanz verdrängt und
  • den Jagdausübungsberechtigten, der Jagd als Hobby, als Trophäensammler und nicht als verantwortungsvolles Wildmanagement betreibt.

Von der Goltz appelliert an beide Parteien: „ Beide müssen umdenken und um-handeln und sich von ihren Maximalvorstellungen verabschieden. Nicht maximaler Ertrag mit maximalen Jagdpachteinnahmen aus Wald. Nicht maximaler Anblick von Wild mit maximalen Trophäen. Naturgemäße Waldwirtschaft ist ein Toleranzmodell, bei dem jeder seine Maximalwünsche im Interesse der Optimierung des Gesamtökosystems Wald zurückstellt. Das Optimum ist stabiler gemischter Wald mit angepassten Wildbeständen. Das macht Kommunikation zwischen den Partnern, ideologiefreie Sachanalyse und zielorientiertes neues Handeln erforderlich. Hierzu wollen wir einige Anregungen geben.

Ideologiefreie Sachanalyse

  • Gerhard Kuske, unabhängiger Zertifizierer der Fa. GFA Certification stellt die nach wie vor inakzeptablen Verbiss- und Schälschäden in Deutschlands Wäldern vor.
  • Michael Duhr, MIL Brandenburg hat zusammen mit einer AG des DFWR die „Konvention zur Erfassung und Bewertung von Wildschäden“ entwickelt. Der Zustand der Vegetation gibt Aufschluss, ob die Balance von Wild und Vegetation gegeben ist oder nicht. Grundlage für die Herleitung der Höhe des Abschusses soll also nicht mehr die (nicht erfassbare) Stückzahl Wild sein, sondern der Zustand der Vegetation.
  • Prof. Bernhard Möhring, Uni Göttingen stellt nüchtern fest, dass angepasste Wildbestände in einem Kiefernbetrieb zu bisher nicht für möglich gehaltener flächiger und gemischter Naturverjüngung führen. Diese hat für den Betrieb einen jährlichen wirtschaftlichen Vorteil von 140.- €/Hektar. Demgegenüber sind die Nettoerlöse aus Jagd vollkommen zu vernachlässigen.

Kommunikation Waldbesitz und Jäger

  • Dr. Stefan Wagner bringt es auf den Punkt: „ Die Waldbesitzer müssen sagen, was sie wollen. Die gesetzliche Pflicht der Jagdgenossenschaft ist es, das Ziel der in ihnen gebündelten Eigentümerinteressen durchzusetzen.“ Hierzu braucht man eine objektive Sachanalyse und den gemeinsamen Waldbegang der Verantwortlichen mit klaren Vereinbarungen.

Zielorientierte Handeln

  • Prof. Michael Müller, TU Dresden verdeutlicht an einem konkreten Beispiel, wie eine Waldbewirtschaftung und Bejagung aussieht, die Wald und Wild dient. Leider muss er feststellen: „Die moralische Wertschätzung und monetäre Anerkennung des geänderten Handelns ist trotz höchster Übereinstimmung mit Wald-, Naturschutz- und Jagdgesetzen für die Waldbesitzer und Jäger keinesfalls selbstverständlich.“
  • Johannes Enssle vom NABU Baden-Württemberg stellt fest: „ Gesetzeskonforme Jagd ist angewandter Naturschutz.“ Nur, wenn Rehe und anderes Schalenwild ohne Notzeit gefüttert werden oder Raubzeug zum Schutz des Niederwildes nicht nur bejagt, sondern bekämpft wird, hat das nichts mehr naturschutzgerechter Jagd zu tun.
  • Bei Volker Diefenbach, Bürgermeister der Gemeinde Heidenrod wollten die Jagdpächter seine waldbaulichen Ziele nicht umsetzen. Kurzentschlossen verzichtete er auf die Verpachtung und übernahm die Jagd in Eigenregie. Konsequenzen: die Einnahmen aus Jagdpacht fehlen zwar, aber die Schadensverringerung im Wald kompensiert diesen Ausfall bei weitem.

Hans von der Goltz fasste abschließend zusammen: „ Überhöhte Schalenwildbestände erschweren auf großer Waldfläche Deutschlands die Entwicklung zum klimastabilen Mischwald. Das kann im Klimawandel für Eigentum und Gesellschaft gravierende Konsequenzen haben. Daher müssen Waldeigentum und Jagdausübungsberechtigte zusammenrücken, ihre Maximalerwartungen über Bord werfen und gemeinsam Verantwortung für die Schaffung einer Balance von Wald und Wild, für stabilen Wald übernehmen.

Hinweis: Die Vorträge und weitere Dokumente des 2. Wald-Wild-Forums am 14.10.2014 in Göttingen können unter “Unterlagen” heruntergeladen werden. Am 08.02.2012 fand in Göttingen das Wald-Wild-Forum statt. Die Vorträge und weitere Dokumente können ebenfalls unter “Unterlagen” heruntergeladen werden.